masima
 

Von Vorurteilen und Missverständnissen

 

Am Nachmittag...

Da sitze ich, starre Löcher in die Luft und warte auf eine Eingebung zur Überbrückung meiner schubweise wiederkehrenden Schreib-Blockade, als mir der mitten auf unserem 'Umkehr-Platz' abgestellte unbeschriftete Transporter ins Auge sticht. Ein Mann streift um das Fahrzeug, ein zweiter kommt gerade die Treppe von meines Schwagers Haus herab, strebt auf des anderen Schwagers Hauseingang zu. Er trägt etwas mit sich, aber wie ein Paket schaut das nicht aus.

Ich, inzwischen argwöhnisch und - zugegeben - auch neugierig, mach mich auf den Weg nach unten, eile auf die Terrasse hinaus. Die sollen merken, dass da jemand ist, der ein Auge auf das Geschehen in der Nachbarschaft hat!

Sie sehen mich auch recht bald. Der eine ruft etwas, da ich ihn aber nicht verstehe, kommen sie nun gemeinsam herbei.

Eindeutig ausländischer Abstammung - die beiden!

Es stellt sich heraus: Sie liefern doch ein Paket. Für einen der Schwäger. Zusätzlich eingeschweißt in schwarze Folie, was bei mir - aus der Ferne betrachtet - den Eindruck des Suspekten hervorgerufen hatte.

Ich unterschreibe, sie kehren zum Wagen zurück und rollen von dannen. 

Etliche Stunden später, am Abend...

Ich, noch immer, oder besser: schon wieder, mir mühevoll ein paar Sätze abringend.

Der Hund bellt. Unmissverständlich. So bellt er, wenn jemand vor der Haustür steht. Ich denke mir, das wird der Schwager sein, um sein Paket abzuholen und eile durch die Wohnung, hinaus auf den Gang. Draußen ist alles dunkel. Der Hund, direkt vor mir, bellt nach wie vor sein "Mach-dich-auf-etwas-gefasst-jetzt-komm-ich-Bellen". Ich schalte die Außenbeleuchtung an und sperre auf. Niemand vor der Tür, aber auf halber Treppe ein junger, schmächtiger Kerl.

Eindeutig ausländischer Abstammung - der Typ!

In merkwürdiger Pose kauert er an der Wand.

Und, natürlich, der Hund mit zwei Sätzen bei ihm. Ich, überrascht und irritiert: "Was ist da los?"

Der Mann will - so scheint's - mit der Wand verschmelzen. "Bitte! Ich große Angst vor Hund."

Ich überlege: Psychisch Gestörter wie jener ungebetene Gast, der vor ein paar Wochen plötzlich im Haus meines Schwagers stand? Betrunkener? Gauner?

Trotzdem rufe ich erst einmal den Hund zurück.

Das verschreckte Kerlchen erweist sich letztendlich als …. Richtig! Paket-Zusteller! Er hat ein Päckchen abzuliefern, - das längst erwartete Handy, das nun endlich, endlich!, den richtigen Weg zu uns gefunden hat.

 

Nachsatz 1: Ich will die gute, alte Post zurück! 

Nachsatz 2: Im Nachhinein tut mir der Mann natürlich Leid; ich hätte zumindest mit dem Angebot einer Tasse Kaffee Abbitte leisten können! 

Nachsatz 3: Und dass ich schon wieder dieser scheinbar nicht auszurottenden Krankheit namens "Vorurteil" zum Opfer gefallen bin, und das gleich zweimal an einem Tag, daran werde ich noch ein Weilchen zu knabbern haben!

 

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© Silvia Flür-Vonstadl