masima
 

Vor ein paar Wochen, - am Imster Postplatz ...

Auf einer einigermaßen sauberen Sitzbank warte ich auf ‚mein’ Postauto. Zwei Mädchen gesellen sich zu mir. Vernünftig angezogen und zurechtgemacht, - wie meine Mutter sagen würde. Also nichts Auffälliges an ihrer Erscheinung. Als erstes setzen sie sich auf die Rücklehne, mit den Schuhen auf der Sitzfläche.

"Reg dich nicht auf!", sage ich mir. "Heutzutage sitzt man eben so, wenn man blutjung ist und "in" sein will". Dann schlürft ein Bursche herbei. Das Alter aller Drei ist schwer zu schätzen. Zwischen Vierzehn und Achtzehn. Jetzt werden Kaugummis verteilt. Papier und Alufolie flattern vor ihm auf den Boden. Aufgebracht lenke ich meinen Blick auf den weiblichen Teil des Trios. Auch die Mädchen scheinen nichts über die Funktion eines Abfallkübels zu wissen, obwohl sich nicht nur einer in unmittelbarer Nähe befindet. Alle Drei sind offensichtlich von ein und demselben Virus befallen, denn immer wieder müssen sie ihre Spucke durch den geöffneten Mund loswerden. ‚Los, sag was!’, fordere ich mich auf. Aber ... "Ich leg mich doch nicht mit drei Halbstarken an!"

Wieder daheim ärgere ich mich immer noch. "Wie schaut’s wohl bei denen zu Hause aus?"

Ich brauche eine gewisse Zeit, ehe ich den wahren Grund für meine andauernde Verärgerung erkenne: Meine eigene Feigheit ist’s, die mich schweigen ließ, und die mir auch jetzt noch, eine gute Stunde später, immer noch zu schaffen macht.

 

 

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© Silvia Flür-Vonstadl