masima
 

Eindrücke

Freitag, 19. Mai -  es könnte aber auch jeder x-beliebige Werktag sein. 

Ich drehe wieder einmal die Karres-Karrösten-Runde, wie der Rundgang in meiner Familie benannt wird. Auf dem Kaisersteig kommt mir eine junge Frau entgegen, auf der Straße nach Karres erst ein Auto, dann noch eines.

Nach dem Lechner - Hof biege ich nach links ab. Anfangs ist der Boden ziemlich steinig, dann wird er weicher, erdiger. Hin und wieder bleibe ich schnaufend stehen und schaue mich um. Ich mag diesen Weg, hier herrscht noch Natur pur. Raben segeln krächzend hoch über mir.

Nach ein paar Minuten aus dem Schatten der Bäume und Büsche tretend, liegt nun das unebene Wiesenstück mit dem Wegkreuz und den Pappeln vor mir. Ein Ort zum Verweilen. Dies muss ein 'guter' Platz sein, denn hier fühle ich mich - wann immer ich diesen Weg gehe - absolut wohl. Ein Rundumblick, - ich sauge das Frühlingsgrün in mich auf, ebenso wie das leuchtende Weiß der in Blüte stehenden Obstbäume.

Es ist neun Uhr als ich auf Höhe der Kirche anlange. Keine Menschenseele zu sehen. Nur Vogelzwitschern begleitet mich auf meinem kurzen Weg durch das Dorf.

Karrösten wirkt wie ausgestorben.

Die Beruftätigen sind vermutlich längst an ihren Arbeitsplätzen, die Kinder in der Schule, und die Hausfrauen mit ihrem Haushalt beschäftigt.

Wenigstens eine Katze hätte mir über den Weg laufen können, denke ich und werfe nochmals einen Blick zurück. Hübsch anzusehen, das Dorf, hangwärts an der Flanke des Tschirgant gelegen, in saftiges Grün gebettet, von den Strahlen der Morgensonne übergossen.

Auf der Straße weiter unten begegnen mir dann Autos, drei talwärts unterwegs, zwei bergwärts.

Der Kaisersteig liegt nach wie vor in schattiger Ruhe. Je weiter ich ihm abwärts folge, desto auffälliger macht sich der Verkehrslärm bemerkbar. Ich überquere die Straße,  schlage den Weg nach Hause ein. Einst war dies ein wunderbar romantischer Hohlweg, gesäumt und überdacht von Bäumen und Strauchwerk.

Ich blende den Verkehrslärm aus, schaue mich um und lausche nur noch dem Gesang der Vögel und  dem Rauschen des Inns. Ja doch, -  unsere Königskapellen-Siedlung hat sich, trotz Pitztal-Brücke und näher gerückter Straßen, eine gewisse Idylle bewahrt ...

 

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© Silvia Flür-Vonstadl